|
Info: Inzucht / Inzuchtkoeffizient |
||||||
|
|
||||||
|
Der Inzuchtkoeffizient gibt an, um wie viel Prozent die Mischerbigkeit ab- und die Reinerbigkeit eines Hundes gegenüber dem Rassedurchschnitt zugenommen hat. + + + + + Genetik: Die Tücke des Zufalls Ein
Beitrag von Hellmuth Wachtel Hundezucht im
Zwiespalt zwischen Genfixierung und Genverlust Hundezucht hat zwei Ziele: einerseits die
Erzielung standardgemäßer, typischer Tiere bzw.bei Gebrauchshundrassen
auch in bestimmter Richtung leistungsfähiger Zuchtprodukte.Das
erfordert zunächst, eine bestimmte Anzahl von Genpaaren (Allelen) in
doppelter Ausführung (Heterozygotie) zu haben, um die betreffende
Eigenschaft (Farbe, Haarart, Größe usw.) in der Rasse bzw. Zuchtlinie
zu fixieren. Das bedingt nun die Einengung des gesamten Erbgutes durch
Engzuchtmaßnahmen, die unweigerlich zu Verlusten an wertvollen Gene führen,
mit den bekannten Folgen der Inzuchtdepression und der Zunahme der
Erbkrankheiten. Schuld daran ist - der Zufall! Kopf oder Adler und
die Hundezucht Wir können uns das verständlich machen,
wenn wir an das Werfen einer Münze denken:werfen wir einmal, so gibt es
nur ein Resultat - Kopf oder Adler, es ist also jeweils eine Alternative
ausgeschlossen worden, verloren gegangen, das sind 50% der möglichen
Ergebnisse. Werfen wir zehnmal, so werden wir höchstwahrscheinlich
beide Ergebnisse erzielen, wenn auch kaum im Verhältnis 50:50, d.h. es
wird fast immer eine Alternative auf Kosten der anderen öfter zum Zug
kommen. Je öfter wir aber werfen, um so näher
kommt das Resultat dem Gleichgewicht näher, bei sehr großen Wurfzahlen
wird es dieses fast erreichen, so dass dann beide Möglichkeiten in
ungefähr gleichem Ausmaß zur Geltung kommen. Genau darauf hat die Natur aufgebaut,
denn sie arbeitet in der Regel mit sehr großen Populationen einer
Tierart. Dies bedingt, dass im Normalfall in natürlichen
Fortpflanzungsgemeinschaften Genverluste - die bei solchen Mengen an
Tieren ohnehin minimal sind - und Neubildung von Genen durch Mutation
mehr oder weniger im Gleichgewicht stehen. Große Populationen sind die
Voraussetzung für das bisexuelle Fortpflanzungssystem, bei dem jeweils
ein Einzelgen (Allel), das rezessive, der Selektion zum Großteil
entgeht, da es sich hinter dem für das Einzeltier meist allein maßgebenden
dominanten Allel "versteckt",d.h. nicht zur Auswirkung kommt.
Ein Schadallel wird nur äußerst selten mit einem zweiten solchen in
einem Individuum zusammentreffen, das infolgedessen erbkrank ist und so
gut wie sicher in der Natur nicht zur Fortpflanzung kommt. Der
entscheidende Vorteil der geschlechtlichen Fortpflanzung, die immer neue
Kombination von Genen, überwiegt diesen in natürlichen Populationen
unbedeutenden Nachteil, so dass sich aber Allele "zweiter Güte"
und eben auch Schadgene in solchen Populationen durchaus halten können.
Das Vorhandensein von jeweils zwei verschiedenen Allelen an einer großen
Zahl von Genpositionen im Erbgut (Heterozygotie) fördert in besonderem
Maße die Lebenstüchtigkeit eines solchen Individuum, sei es, weil es
auf ein größeres Inventar an Enzymen verfügt, sei es, weil bestimmte
Allele sich gegenseitig fördern. Der züchterische
Eiertanz Bei kleinen Populationen - und das gilt
in gewissem Maß für praktisch alle Hunderassen, da auch die zahlenmäßig
großen von nur wenigen Stammeltern abstammen - hat der Zufall
entsprechend größere Chancen, einzelne Allele zu fixieren (d.h. es
gibt in dieser Rasse dann kein anderes Allel für diesen Genort) bzw. zu
eliminieren. Wie gesagt, das soll ja auch so sein, wenn wir
rassetypische Eigenschaften verankern und nicht-rassetypische
ausscheiden wollen. Nur kommt es da zu einem Eiertanz, weil eben auch
unerwünschte, die wir aber als solche nicht oder vorderhand nicht
erkennen können, in viel größerer Zahl fixiert werden und ebenso
viele erwünschte auf Nimmerwiedersehen verloren gehen können. Das sind
vor allem Vitalitätsfaktoren, wie Fruchtbarkeit, Widerstandsfähigkeit,
Instinktsicherheit, geistige und körperliche Leistungsfähigkeit usw. Nun sind ja gottlob die rassetypischen
Merkmale in unseren Rassen heute meist schon ausreichend fixiert. Was
nun ganz dringend erforderlich erscheint, ist die genetische Vielfalt zu
erhalten bzw. zurück zu gewinnen, also überlegte Auszucht mit
rassetypischen und ähnlichen, aber verwandtschaftlich einander
fernstehenden Tieren durchführen. Durch die Erhöhung der genetischen
Vielfalt steigt die Leistungsfähigkeit aller physiologischen Funktionen
und damit der allgemeine Gesundheitstatus der Zuchtprodukte. Die
Defektgene sind damit nicht ausgemerzt, aber sie haben viel weniger Möglichkeiten,
in einem Individuum zusammenzutreffen, so dass es phänotypisch erkrankt
ist. Die Kampfmittel gegen Erbfeind Zufall sind daher drei:
Durch Leistung zum
Sieg über den verhängnisvollen Zufall? Dies sind die wichtigsten Maßnahmen zur
Erhaltung der Erbgesundheit. Sie sind höchst notwendig, denn auch die
FCI kritisiert bereits vehement die Erbdefektbelastung verschiedener
Rassen.Darüber hinaus scheint es jedoch noch eine dritte, zusätzliche
Möglichkeit zu geben, die genetische Vielfalt zu erhöhen. Es ist eine
in der Genetik bekannte Tatsache, dass der Engzuchtdepression
entgegengewirkt werden kann, wenn auf Heterozygotie selektiv gezüchtet
wird. Dies könnte u.U. auch in der Hundezucht züchterisch nutzbar
gemacht werden bzw. vielleicht erfolgt dies bereits unbewußt. Gemeint
ist die Zucht von Hunden, denen besondere physische und psychische
Leistungen abverlangt werden. Eine gewisse Selektion auf Leistung ist
daher für alle Rassen sehr günstig, wird sie allerdings übertrieben,
führt auch die Selektion zu genetischer Verarmung! Diese Gefahr ist
leider auch dann gegeben, wenn Erbdefektträger bestimmter Krankheiten
durch neue Gentests erkannt werden können und man zu viele dieser Tiere
aus der Zucht ausscheidet. Vielmehr muss man zunächst durch Paarung von
im Übrigen wertvollen Defektträgern mit Defektgen freien Tieren die
Krankheit in der Nachzucht verhindern und nur allmählich den Anteil der
Defekträger vermindern. Sanierung einer
Rasse durch Erhöhung der genetischen Vielfalt Gleichzeitig muss jede Inzucht und
Linienzucht vermieden werden und durch assortative Paarung (Paarung von
Tieren mit ähnlichen, gewünschten Merkmalen) mit möglichst wenig
verwandten ersetzt werden. Anzustreben ist ein Inzuchtkoeffzient der
Nachzucht von zunächst maximal 6,25%,im Endziel möglichst auf zehn
Generationen errechnet. Von solche Tieren kann man erwarten, dass sie
keine Inzuchtdepression, sondern eine hohe genetische Wertigkeit
aufweisen und ihre Lebensdauer der von Mischlingen entspricht (diese
werden im Durchschnitt um 1 - 2 Jahre älter als Rassehunde und ihre
Lebensdauerkurve sinkt nach Untersuchungen im Gegensatz zu den
Rassehunden erst mit beginnender Alterung stärker ab. Bei nicht ingezüchteten
Hunden ist also die Gefahr eines verfrühten Ablebens viel geringer. Jede Einengung der genetischen Vielfalt
(Inzucht, Linienzucht, zu wenige Zuchttiere oder zu wenigeDeckrüden in
einer Rasse) führt zur Vermehrung von weniger wertvollen Allelen und
Schadallelen in einer Rasse bis zur Fixierung sowie zum Abnehmen und zum
Verlust wertvoller Allele. Dem muss durch möglichste Vermehrung des
Zuchttierbestandes, Absenkung des Inzuchtkoeffizienten durch Paarung
nicht oder wenig verwandter Zuchttiere, sowie durch ein engeres
Geschlechterverhältnis bei der Zucht entgegengewirkt werden. Ein
solches erfolgreiches Sanierungsprojekt hat die Deutsche
Landseergesellschaft unternommen. Es gelang dadurch, die
Inzuchtdepression (Rückgang der Fruchtbarkeit und Vitalität) zu
besiegen. Durch Stammbaumanalysen und/oder Gentests kann man auch
eventuell vorhandene wertvolle, seltene (d.h. mit der übrigen
Rassepopulation wenig verwandte) Individuen herausfinden, die dann
vermehrt in der Zucht ein zu setzen sind. Außerdem gibt es Hinweise, dass zusätzlich die Bevorzugung von Tieren mit hoher physisch-psychischer Leistungsfähigkeit zu einer Verbesserung der genetischen Vielfalt führen könnte,was aber noch der wissenschaftlichen Überprüfung bedarf. Durch DNS Tests können Tiere mit höherer genetische Vielfalt festgestellt werden, sowie auch die tatsächliche genetisch Distanz zwischen zwei präsumptiven Paarungspartnern, um so Nachzucht mit höherer genetischer Vielfalt zu erhalten. + + + + + LESETIPP (beide Titel sind leicht zu lesen und auch für Laien verständlich) Inge Hansen: Vererbung beim Hund Das Handbuch für Züchter und Halter. Alles über Erbgesetze, Zuchtkriterien und Erbkrankheiten. 176
S. EUR 29,90 Hellmuth Wachtel: Hundezucht 2000 Gesunde Hunde durch genetisches Management. Populationsgenetik für Hundezüchter und andere Kynologen. Hundezucht nach neuesten genetischen Erkenntnissen. Der neue Weg zu erbgesunden Hunderassen. Das Verhängnis der genetisch bedingten Krankheiten 287 S. ISBN 3-923555-10-5 EUR 32,80 |