Nanuk der Rettungshund

von Barbara Weigert


Hallo!!

Ich bin CA´DVALINN VON BALTSHAUS, aber Ihr dürft mich NANUK nennen.

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Ich bin ein etwa 11 Monate alter Islandrüde ( ... was sonst auch?!!) und werde als Rettungshund ausgebildet.

Heute möchte ich Euch einmal erzählen, wie es mir so bei der Rettungshundestaffel der Johanniter in Kempten bis jetzt ergangen ist.

Angefangen hat ja alles damit, dass eines schönen Tages mich zwei Menschen von meiner Mutter weggeholt haben. In meinem neuen Zuhause ging von Anfang an die Post ab, so dass ich eigentlich gar nicht erst Zeit hatte großartig nach meiner Mutter und den Geschwistern zu trauern. Viel Spiel und Abwechslung standen auf dem Programm und vom ersten Tag an wurde ich immer wieder mit vielen fremden Leuten konfrontiert. Da ich aber schnell Vertrauen zu meinen neuen Leuten gefunden hatte waren all die vielen neuen Eindrücke gut zu verkraften.

Aber was ich nicht wusste, war was Frauchen sich für meine Zukunft ausgedacht hatte.

Das hab ich dann eine Woche später herausgefunden. Damals war ich gerade mal ca. 10 Wochen alt. Da hat mich Frauchen geschnappt, in das Auto gesteckt und wir sind zu einem Platz gefahren, wo einige Zweibeiner und ihre vierfüßigen Gefährten waren. Durch die Scheibe konnte ich zusehen, wie die anderen Hunde arbeiteten. Dann war ich an der Reihe. Berührungsängste hatte ich schon damals nicht und somit bin ich gleich auf alle zugestürmt. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich herausgefunden, dass alle irgendwo Leckerchen und Spielzeug versteckt hatten. Alle wollten mit mir spielen und schmusen. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, dass das genau das richtige für uns Isländer ist.

Von da an sind wir immer wieder zu diesen Leuten und ihren Hunden gefahren. (zuerst etwas unregelmäßig, da ich ja auch noch in die Welpengruppe gegangen bin und ein zukünftiger Rettungshund muss natürlich sehr gut sozialisiert sein.)

Die ersten Stunden in der Staffel habe ich in erster Linie mit spielen, schmusen und toben verbracht. Und einem etwas weniger erfreulichem Teil, nämlich dem Warten im Auto. Das ist natürlich echt ätzend, aber da muss ich halt durch und schließlich ergeht es ja allen Hunden so.

Irgendwann war dann mal so eine runde Röhre aufgestellt und Frauchen hat mich da durch gelockt. Die Belohnung auf der anderen Seite war echt prima und so bin ich dann auch gleich ohne Aufforderung wieder durch das Loch zurück. Das war der Auftakt zu meiner Liebe zu allen möglichen Löchern und Tunneln. Heute ist es so, dass ich in jede Röhre wenigstens meine Nase stecken muss; lieber gehe ich aber durch die Dinger durch, aber nur wenn Herrchen oder Frauchen ihr o.k. gegeben und mich von meinem Halsband befreit haben. In der Zwischenzeit kann ich sogar in einer etwa 40 cm Röhre umdrehen. Dass ich mal so eine Vorliebe für die Röhren entwickeln würde hatte damals natürlich noch keiner geahnt.

Spiel mit dem Opfer

Aus dem Spiel wurde für mich Ernst, als mich dann mal einer der Leute festgehalten hatte während sich mein Frauchen von mir entfernt hat. Ich wollte da gleich hinter her und durfte das dann auch. Das Lob ist auch hier wieder riesig ausgefallen. Und so wurde langsam weiter aufgebaut, bis sich Frauchen ganz außer Sicht befunden hatte. Jetzt musste ich anfangen meine Nase und meinen Grips mit ein zusetzten. Auch hatten die angefangen den Spieß um zudrehen und Frauchen hatte mich festzuhalten während ein anderer sich erdreistete mit meinem Spielzeug wegzulaufen. Das ging so natürlich nicht und ich durfte auch gleich hinter herrennen und mir den "Dieb" schnappen. Doch dann kam die Überraschung. Ich wurde fürs hinter herrennen mit einem tollen Spiel belohnt. Das hab ich mir gemerkt und bin beim nächsten mal gleich noch freudiger hinterher gerannt. Zu dieser Zeit haben die sich natürlich nur ein paar Meter von mir entfernt und ich durfte immer zusehen, wohin die gelaufen sind. Bis heute wurde die Entfernung gesteigert und auch, dass ich nicht mehr sehe wo sich die Leute verstecken. Ich sehe zwar noch die Richtung, aber nicht mehr wie es dann weiter geht. Auch musste ich lernen, dass es das Spielzeug nur gibt, wenn ich nach dem Finden auch noch belle. (Toll!!! - jetzt darf ich endlich mal die ollen Zweibeiner anbellen. Ist ja sonst schließlich unerwünscht).

Zwischendurch habe ich auch schon mal jemanden nur nach Anweisung von Frauchen zu suchen. Aber auch hier sind die "Opfer" nicht schwer versteckt, so wie bei den fertig ausgebildeten Hunden sondern sitzen frei hinter irgendwelchen Bäumen oder Mauern. Aber für mich ist das schon ganz schön schwer und ab und zu verrenn ich mich auch mal, so dass Frauchen zu Hilfe kommen muss um mich wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Schließlich muss ich ja noch schnell zum Erfolg (d. h. zu meinem Spiel) gelangen. Ich soll ja nicht die Lust an dem ganzen verlieren. Deshalb werden die Schwierigkeiten ganz langsam gesteigert. Bis ich irgend wann mal so gut sein werde wie die anderen. Dann kann ich auch mal Menschen auf Bäumen, in Kisten oder in Gebäuden suchen.

Bis dahin muss ich aber noch viel lernen.

Unter anderem muss sich auch meine Geschicklichkeit weiter entwickeln. Da wir Isi´s ja sowieso Kletterkünstler sind fällt mir dieser Part weniger schwer. (Im Gegenteil - Frauchen und Herrchen müssen mich immer wieder bändigen, so dass ich mich nicht übernehme.) Hierfür haben wir ein Übungsgerät, das ein wenig wie ein Teil vom Kinderspielplatz aussieht. Das ist aber für mich momentan noch zu schwer. Da muss Hund nämlich ´ne Leiter hoch, dann über ein Brett auf einem leicht wackelndem Gestell in etwa 2 m Höhe und am Ende wieder über eine Leiter hinunter. Das ist für mich noch zu gefährlich, denn eine schlechte Erfahrung und ich geh´ evt. nie wieder irgendwo hoch und verliere u. U. das Vertrauen in die Anweisungen meines Frauchens - was natürlich total fatal wäre. Außerdem ist mein Körper ja auch noch nicht voll ausgebildet und ich soll schließlich ganz gesund und kräftig auswachsen.

Aber es gibt natürlich auch für mich schon Übungen zu machen. Da wäre zum einen der Tunnel, den ich bereits erwähnt habe. Dann ist da die Wippe über die ich auch schon drüber darf. Aber noch nicht ganz alleine, weil ich da noch viel zu schnell bin und das Brett noch nicht auspendle. Würde ich da so drüberfetzen, dann gäbe das nur einen mächtigen Schlag in die Gelenke - auch Sch..... . Also muss das Brett bei mir noch abgefangen und auf den Boden geführt werden.

Nanuk geht die Wippe

Dann ist da auch noch die waagrecht Leiter. Das ist eine Leiter, die ist ca. 3 m lang und liegt etwa 50 cm hoch über dem Boden auf zwei Kisten, auf die auf jeder Seite entweder Bretter hochgehen oder, für die Hunde die schon weiter sind, Leitern. Für mich liegen sogar auf der waagrechten Leiter noch Bretter drin. Denn ich kann das noch nicht so gut. Wenn ich auch kürzlich mein Frauchen überrascht habe, denn da war nur die halbe Leiter abgedeckt und ich bin über die restliche offene Leiter einfach nur drübergelaufen, als wäre das alles gar nichts. Aber zwei Wochen später hab ich mich dann wieder angestellt wie sonst noch was. Na ja so hat eben auch mal ein Hund seine guten oder schlechten Tage. Und schließlich lerne ich diesen Teil ja auch gerade erst.

Nanuk geht über das Brett, teilweise abgedeckte Leiter

Wo ich weniger Probleme habe ist die Hängebrücke. Da muss ich eine Hennenleiter hinauf und auch auf der anderen Seite wieder hinunter. Die Bretter sind da schon etwas steiler gestellt. Die Brücke selber besteht aus Hölzern die über zwei Gurte gemacht sind und frei in der Luft schwingen und wackeln. Da muss man schön ruhig drübergehen und das mache ich schon prima. ( ich bin das Ding aber auch erst ein paar mal gelaufen.)

Erste Versuche auf der Hängebrücke

Herrchen und Frauchen üben aber mit mir auch viele andere Dinge um meine Geschicklichkeit zu fördern. Schon früh durfte ich auf Baumstämmen balancieren, auf Felsen klettern, über Bäche hüpfen und auf Holzhaufen klettern usw. .

Kürzlich waren wir von der Staffel aus in einem Abrissgebäude. Da ist schon viel Schutt da gelegen und überall waren Armierungseisen und Glasscherben und Schutthaufen und Gruben. Da hat Frauchen mit mir immer wieder "Spaziergänge" über das Schuttfeld gemacht. Am Anfang war mir die Sache schon sehr suspekt, aber mit der Zeit gewöhnt sich Hund halt an alles. Ich durfte ( nein, falsch - ich musste) mich auf dem Gelände ohne Leine und Halsband bewegen, dass ich mich nicht verfange und verletze.

Über die Glasscherben, das war schon komisch, aber auch das muss ich einfach so wegstecken können. Da wurde dann schon drauf geschaut, dass keine hoch standen und dass ich auch hier frei drüberlaufen konnte, so dass ich nicht zuviel Druck auf die Pfoten bringen konnte. Nicht nur Glasscherben, sondern auch andere Untergründe, wie Gitterroste, Folien, Kunststoffplatten ... dürfen mir nichts ausmachen.

Als Rettungshund darf ich eigentlich vor gar nichts Angst haben. Ich muss neben Baumaschinen genauso gut und sicher meine Arbeit verrichten, wie auf freiem Feld. Ich darf mich nicht von Schüssen oder lauter Musik, Kompressoren oder herunterfallenden Gegenständen ablenken lassen. Sogar vor Hubschraubern darf ich keine Angst haben und muss sogar in einen mit laufenden Rotoren hinein können. Auch das Abseilen muss ich noch lernen.


Staffelkollege "Caro" beim Abseilen (Golden Retriever)

An all das muss ich nach und nach gewöhnt werden, was natürlich auch viel in der Freizeit geschehen muss und wo mir Frauchen und Herrchen viel dabei helfen.

Ihr habt sicher schon gemerkt, dass mir die ganze Sache irre viel Spaß macht. Einige behaupten sogar dass man mir das ansieht. Ich würde bei manchen Übungen förmlich lachen!!! Allerdings gibt es einen Part bei welchem mir das Lachen dann doch immer wieder vergeht. Das ist die olle Unterordnung. Da kommt dann selbst ein angehender Rettungshund nicht dran vorbei. Im Gegenteil; die ist für uns sogar lebenswichtig. Es kann ja durchaus bei unserer Arbeit mal zu irgendwelchen Gefahrensituationen kommen und da muss Hund auch auf seinen Führer hören und das auch auf weite Distanzen.

Ich als freiheitsliebender Islandhund hab da ab und zu so meine Probleme damit, denn worin liegt bitte (aus Hundesicht) der Sinn darin mit vielen weiteren Hunden auf einem Platz in Reih und Glied zu laufen und zu exerzieren?? Aber ich muss mich nun mal beherrschen und auch auf weite Entfernung dirigierbar sein. Deshalb werden auch Übungen wie das Voraus und das punktuelle Vorausschicken (Detachieren) bei uns groß geschrieben. An der Prüfung muss ich mich auf 30 m Entfernung dirigieren lassen. Aber bis ich mal soweit bin weht mir noch oft der Wind um die Nase und ich werde noch viel zu lachen haben.

Aber auch über mich wird viel in der Staffel gelacht. Mein Grinsen entlockt den Zweibeinern oft ein Schmunzeln. Und mein Rumkaspern trägt auch des öfteren zu allgemeinem Gelächter bei. Auch werden des öfteren Scherze über mich gemacht, denn im Angesicht von Labrador, Riesenschnauzer, Rottweiler, Golden Retriever, Bordier Collie, Berner Sennenhund, Briard, Australian Shepherd, Hovawart und div. mittelgroßen Mischlingen fällt meine Größe des öfteren nicht allzu sehr auf. Im Gegenteil. Auf div. Aufführungen wurden bereits Anspielungen preisgegeben dass ich später mal die verlorengegangenen Kemptener Kanalarbeiter suchen soll.

Na ja, damit muss ich halt leben.

So - und wer jetzt noch spezielle Fragen an mich hat kann gerne nachhaken: dragonflystore@compuserve.de

Haltet die Ohren steif, die Schnauze oben und allzeit ein gutes Wuff

Euer NANUK

 
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