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Wie der Islandhund eine Herde treibt |
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Beoachtungen bei Kátur, Ylfa und Ylfa's Tochter Edda
Als ich meine Islandhündin Ylfa als Welpen bekam, hatte ich schon den zweijährigen Rüden Kátur. Er hatte von Anfang an ausgeprägte Treiber-Eigenschaften gezeigt. Es stellte sich schnell heraus, dass auch Ylfa diese Eigenschaften besaß. Ich brauchte ihr nichts beizubringen, denn sie hat sehr gut gehorcht, und zudem sah sie, wie Kátur mit unserer Pferdeherde arbeitete. Schafe brauchten meine Hunde nicht zu treiben, weil bei uns in der Nähe der Stadt keine Schafe mehr gehalten werden. Deshalb waren sie glücklich, dass sie unsere Pferde auf der Weide treiben oder zusammenhalten konnten. Ich konnte gut beobachten, wie die Hunde vorgehen: Die Hunde haben sich aufgeteilt. Der eine lief rechts an der Herde herum, der andere links. Dadurch wurden die Pferde in die Zange genommen. Gemeinsam trieben sie dann die Herde auf uns zu. Sie haben dabei laut gebellt. In die Beine haben sie die Pferde aber nur dann gebissen, wenn sie viel zu langsam waren. Das kam aber sehr selten vor. Wenn die Pferde bei uns angekommen waren, zeigten die Hunde ihre Hüte-Eigenschaft: Sie liefen im Kreis um die Herde herum und passten auf, dass kein Pferd ausbrach. Für die ganze Aktion brauchten wir nur ein Kommando: "sækja" - holt! Dann wussten sie, was sie zu tun hatten. Edda stammt aus Ylfas letztem Wurf mit dem Rüden Úlfur und ist bei der Züchterin Helga Gustafsdóttir auf dem Hof Miðengi im Südland zu Hause. Sie hat die ausgeprägten Treibereigenschaften ihrer Eltern geerbt. Mit zwei Jahren ging sie zum ersten Mal im Herbst mit ihrem Herrn ins Hochland zum Treiben der Schafe. Die Tiere sollten vom Hochland nach Hause gebracht werden. Sie war dafür nie speziell trainiert worden. Aber der Besitzer war sehr zufrieden mit der Hündin, denn vom ersten Augenblick an hat sie instinktiv alles genau gemacht, wie es sein sollte. Sie gehorchte auf jedes Kommando. Das Treiben von Schafen (göngur) fordert extrem viel Ausdauer, weil es bis zu einer Woche dauern kann. Dabei zeigt speziell der Islandhund sein ganzes Potenzial. Er rennt den ganzen Tag durch unwegsames Gelaende. Dabei läuft er natürlich das Mehrfache eines Pferdes oder Menschen. Am nächsten Morgen ist jede Müdigkeit verschwunden und der Hund wartet sehnsüchtig darauf, mit seinen Menschen wieder aufzubrechen in die Berge. Beim Schafetreiben arbeitet der Islandhund sehr selbständig. Er ist oft nicht zu sehen, weil er allein nach versprengten Schafen sucht. Wenn er sie gefunden hat, bellt er laut und treibt sie zu den Menschen. Das Bellen hat einen doppelten Nutzen: Es arlamiert die Schafe, aber es zeigt auch dem Menschen immer genau an, wo der Hund gerade arbeitet. Alle diese Fähigkeiten des Islandhundes waren in den vergangenen 1100 Jahren in Island lebensnotwendig. Heute macht man davon bei uns aber immer weniger Gebrauch. Trotzdem wird die Rasse in der Landwirtschaft nach wie vor zur Arbeit eingesetzt, sodass ihre guten Eigenschaften erhalten bleiben. Und die Menschen in der Stadt haben die anderen Eigenschaften zu schätzen gelernt - nämlich das freundliche Wesen, ganz besonders Kindern gebenüber. Und seine immer gute Laune und Bereitschaft, etwas mit seinen Menschen zu unternehmen. |
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