Ein Islandhund vor oder nach dem Kind?

von Silke Müller-Uloth


Heute berichte ich in eigener Sache, da ich künftigen Islandhundebesitzern oder zukünftigen Eltern, die schon einen Islandhund haben, ein paar nützliche Tipps mit auf den Weg geben möchte.

Seit 1999 lebt Skundi bei uns als "Einzelrüde". Er musste sein Zuhause und auch uns ab und zu mal mit einem Kumpel teilen, wenn wir einen Ferienhund in Pflege hatten. Alles kein Problem für Skundi, obwohl es sich um sein Revier handelt.

Jetzt sind wir seit Anfang September 2004 glückliche Eltern eines mittlerweile 5 Monaten alten Jungen, namens Thorge. Als wir unseren Familien und Freunden berichteten, dass sich bei uns zweibeiniger Nachwuchs anmeldete, kam gleich die Frage - und was sagt Skundi dazu? Habt ihr keine Angst, dass es Probleme geben könnte?

Nein, es gab keine Probleme. Ganz im Gegenteil, der Hund vor dem Kind hat viele Vorteile. Man hat genügend Zeit für seine Erziehung, hat viel mit ihm unternommen und das eine oder andere Abenteuer gemeinsam überstanden. Die Rangfolge in der Familie ist geklärt und der Hund weiß, wer das Sagen hat.
Islandhunde, die gut sozialisiert sind und nicht auf die Seite geschoben werden, wenn ein Baby kommt, sind die besten Begleiter und Freunde. Sie passen sich der jeweiligen Situation an, so z.b. konnte ich bei Skundi beobachten, dass er mich während meiner gesamten Schwangerschaft nicht mehr aus den Augen ließ und, wo er sonst keine Rücksicht kannte, schraubte er seinen Anspruch an Beschäftigung mit Zunahme meines Bauchumfanges immer weiter zurück.

Als wir dann Thorge aus dem Krankenhaus mit nach Hause brachten, waren wir sehr gespannt auf Skundis Reaktion. Christian hatte ihm vorher, auf Anraten der Säuglingsschwestern eine gebrauchte Windel und einen getragenen Body mitgebracht. Die Sachen fand Skundi nicht sonderlich interessant. Als wir ihm Thorge auf einer Decke präsentierten und zum Abschnuppern freigaben, schaute er uns nur mit großen Augen an. Was soll das? Kenne ich doch längst, schienen seine Blicke zu sagen. Anstandshalber leckte er dem Lütten vorsichtig die Händchen und stupste einmal mit der Nase am Bauch. Das war alles. Danach ging er wieder in die Diele und legte sich auf seine Decke.

Heute versucht Skundi Thorge zu beschützen, wenn er der Meinung ist, dass es notwendig sei. Aber er ist dabei Menschen gegenüber nie aggressiv. Er beobachtet alle ganz genau und will dann natürlich auch gestreichelt und gelobt werden. Ansonsten schnuffelt er Thorge manchmal durch, legt sich zu ihm auf den Fußboden und lässt den Lütten gewähren. Wichtig ist nur, dass er überall dabei sein darf und nicht den Eindruck bekommt, dass man ihn ausschließt.

Man darf als Elternteil nicht zimperlich sein, was die Hygienevorstellung anbelangt. Der Hund muss schon während der Schwangerschaft alle 3 Monate entwurmt und regelmäßig mit Antiparasitenmittel behandelt werden. Am besten mit dem eigenen Tierarzt Rücksprache halten.
Es wurde sogar festgestellt, dass Kinder, die mit Haustieren zusammen in einem Haushalt aufwachsen und nicht ständig in "Sagrotan getaucht werden", ein vermindertes Risiko besitzen, eine Allergie zu entwickeln. Dennoch sollte man seine bisherigen hygienischen Gewohnheiten jetzt nicht gänzlich über Bord werfen. Aber ein Umdenken wird von vielen Allergologen und Forschern mittlerweile gefordert.

Silke Müller-Uloth, Hasloh Mai 2005

 

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